,,Der jungen Generation mehr Gehör und eine Stimme geben“

Ein Interview mit Landrat Dr. Martin Sommer

Zwei Dinge werden in Sachen Klimaschutz oft viel zu sehr unterschätzt: Jugendliche und kommunale Klimapolitik. Zeit, das zu ändern! Deshalb haben wir zu genau diesen Themen Dr. Martin Sommer für euch interviewt (zu unserem Podcast mit ihm geht es hier). Er ist Landrat (parteilos) des Kreises Steinfurt in NRW – und weiß als solcher genau, wo die Probleme vor Ort liegen.

Herr Landrat, wie stehen Sie zu der Aussage, dass Jugendliche mehr Klimaschutz und eine bessere Zukunft fordern, aber selbst nichts tun?

Ich glaube, dass diese Aussage in ihrer Pauschalität so nicht stimmt. Man sieht ja gerade bei CommunityKlima, dass es Jugendliche gibt, die sich sehr wohl damit beschäftigen, wie man möglichst viel für Klimaschutz erreichen kann. Deshalb begrüße ich das Engagement junger Leute für den Klimaschutz ausdrücklich.

Lust auf Zukunft bedeutet für Sie?

Den technischen Fortschritt zu nutzen, um die Probleme, die wir bewältigen müssen, anzugehen, damit wir alle eine gute Zukunft genießen können.

Was unternimmt der Kreis Steinfurt eine grünere Zukunft und mehr Klimaschutz? Inwiefern können sich andere Kommunen den Kreis Steinfurt in Sachen Klimawandelbekämpfung zum Vorbild nehmen?

Der Kreis Steinfurt ist seit 20 Jahren dabei, den Klimaschutz voranzutreiben. Wir gehören damit zu den ersten Kreisen, die dieses Thema aufgegriffen haben. Wir sind ein Kreis, der ein Amt für Klimaschutz und Nachhaltigkeit hat, was also sehr, sehr viele Projekte in den letzten Jahren auf den Weg gebracht hat und auch weiterhin auf den Weg bringen wird. Mittlerweile freuen wir uns darüber, dass sehr viele Kommunen sich auf den Weg gemacht haben, um mehr Klimaschutz voranzubringen. Die guten Erfahrungen, die wir gemacht haben, sind insbesondere im Bereich der Akzeptanz zu finden. Es ist so wichtig, die Akzeptanz für Klimaschutz in breite Kreise der Bevölkerung zu tragen und deshalb haben wir von Anfang an auf eine Beteiligung der Bevölkerung gesetzt. Wir haben Bürgerwindparks auf den Weg gebracht, weil immer dort, wo Bürger auch selber von der Klimawende profitieren, die Akzeptanz am größten ist, und diesen Weg wollen wir weitergehen.

,,Wir haben noch gewaltige Potenziale brachliegen“

Was läuft bei den bereits ergriffenen Maßnahmen für Klimaschutz in Ihrem Kreis noch nicht so gut? Was muss noch verbessert und ausgebaut werden?

Wir haben noch gewaltige Potenziale brachliegen, zum Beispiel im Bereich von Photovoltaik. Im Moment wird nur 10 % des Potenzials für Photovoltaik genutzt. Wir werden an der Stelle beratend tätig sein, werden also auch dafür werben, dass hier möglichst viele Potenziale genutzt werden, um noch mehr erneuerbare Energien zu nutzen. Das Ziel des Kreises Steinfurt ist es ja, bis spätestens 2050 klimaneutral zu sein, das geht auf zwei Wegen: Zum einen wollen wir den Energieverbrauch senken, auch da sind wir an vielen Stellen beratend unterwegs, und andererseits wollen wir mehr Strom durch erneuerbare Energien erzeugen. Beides zusammen trägt dazu bei, dass wir bis spätestens 2050, vielleicht sogar eher, rechnerisch klimaneutral sein werden.

Was sind die größten Hindernisse von mehr Klimaschutz in der Kommunalpolitik?

Nach meiner Wahrnehmung ist das die Akzeptanz bei den kommunalen politischen Entscheidungsträgern. Wir sind da im Kreis Steinfurt wirklich auf einem sehr guten Weg und nach meiner Wahrnehmung wird das hier bei den allermeisten Gemeinden auch wirklich gelebt, aber der Prozess, bis man dort war, war durchaus etwas länger. Meiner Meinung nach ist es so, dass kommunale politische Entscheidungsträger es gewohnt sind, jeden Tag Entscheidungen zu treffen, deren Auswirkungen sie vor Ort auch erleben. Beim Klimaschutz ist etwas aber anderes. Klimaschutz ist etwas Globales, also das, was ich im Kreis Steinfurt an Klimaschutzaktivitäten vorantreibe, ist in den Auswirkungen vor Ort nicht spürbar, nur eben global. Trotzdem ist es wichtig, dass wir das tun, denn wir wollen ja als Vorbild vorangehen. Wir wollen gemeinsam mit vielen anderen Kommunen unseren Beitrag dazu leisten, dass weniger CO2 ausgestoßen wird und dieses Verständnis dafür zu wecken, dass die Maßnahmen hier vor Ort ein Teil des großen Ganzen sind. Das ist, glaube ich, der schwierigste Prozess.

,,Da gibt es viele ältere Politiker, die an ihren Stühlen kleben“

Was sind die größten Hindernisse von mehr Jugendpartizipation in der Politik?

Naja, da ist es so, dass unser politisches System darauf angelegt ist, dass der politische Meinungsbildungsprozess über Parteien erfolgt. Leider ist es bei vielen Parteien aber so, dass Jugendlichen oder junge Generationen da zu wenig Möglichkeiten an Teilhabe geboten wird. Es ist erfreulicherweise so, dass alle Parteien darüber nachdenken, auch die Geschlechter gleichmäßig zu berücksichtigen. Beim politischen Meinungsbildungsprozess wird aber im Moment noch nicht darüber diskutiert, auch die verschiedenen Generationen gleichmäßig zu beteiligen. Da gibt es viele ältere Politiker, die auch nicht loslassen können, die an ihren Stühlen kleben, und da würde ich mir wünschen, dass die Parteien darüber nachdenken, auch ganz bewusst und ganz gezielt der jungen Generation mehr Gehör zu geben und mehr Stimme zu geben.

Welchen Rat haben Sie für junge engagierte Menschen?

Auf jeden Fall engagiert zu bleiben. Es ist toll, wenn junge Menschen sich engagieren und für ihre Ideen für ihre Ziele brennen. Da kann ich nur sagen: Auch wenn es mal bei diesem Engagement Rückschläge gibt, auch wenn ihr auf Widerstände trefft, sollte das nicht demotivierend sein. Sondern, wenn man fällt, immer wieder aufstehen und weitermachen und für das einstehen, für das man brennt und was man richtig findet.

,,Ich finde es toll, dass CommunityKlima hier Ideen entwickeln will und ein Konzept erarbeitet“

Was macht CommunityKlima in Ihren Augen besonders?

Das ist gerade dieses uneigennützige Engagement für eine Idee, für eine Sache. Ich finde es toll, dass CommunityKlima hier Ideen entwickeln will und ein Konzept erarbeitet, wie man selber im eigenen Umfeld Beiträge für Klimaschutz leisten kann. Ich finde es gut, dass man auch an diejenigen denkt, die sich selber nicht engagieren. Dass man die mitnimmt, begrüße ich sehr. Ich würde mich freuen, wenn die engagierten jungen Leute da an dieser Stelle weitermachen und weiterhin diejenigen mitnehmen, die selber nicht so viel Engagement zeigen.

Ihre Botschaft an CommunityKlima?

Weitermachen bei dem, was CommunityKlima auf den Weg gebracht hat, und sich von eventuellen Rückschlägen nicht entmutigen lassen, weiterhin für die gute Sache Klimaschutz einzutreten.

Gutes Schlusswort. Herr Landrat, vielen Dank für das Gespräch!

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